Gold

Gold

Die Prälaten und Fürsten dieser Welt prägen es zu Münzen, Kaufleute und Wucherer häufen es in der Nacht ihrer verschlossenen Kisten an, der Bauer vergräbt es im dunklen Ackerboden, der Knecht verbirgt es gierig in seiner schwitzigen Achselhöhle, Räuber morden dafür und Könige führen um seinetwillen Krieg. Wir alle begehren es. Man muss wissen, dass Gold seinen Wert und Reiz einer einzigen Eigenschaft verdankt, nämlich dem außergewöhnlichen Umstand, dass es dem Sonnenlicht gleicht.

Gold wird nie fleckig, es läuft weder grün noch schwarz an. Daher dient es seit undenklichen Zeiten dazu, Gottes heilige Altäre und Kruzifixe zu schmücken oder die Mäntel und Kronen der Auserwählten.

Gold ist unvergänglich, ewig. Von den irdischen Metallen ist es das einzige, welches das göttliche Licht widerspiegelt, jenes Licht, das draußen in der Sonne und tief drinnen in der Seele lebt. Daher begehren wir das Gold und begehen Unrecht, um es uns zu verschaffen und erniedrigen es so und unser inneres Licht auch. Wir haben das Gold zu etwas anderem gemacht als das, was es eigentlich ist.

Einst jedoch war es anders; einst wurde das Gold nicht wegen seines Gegenwertes geschätzt, nicht in seiner Eigenschaft als Tauschmittel, nicht als Ausdruck eines ihm fremden Wertes, sondern ausschließlich um seiner selbst willen. Es hat einmal eine Zeit gegeben, als man für Gold nichts kaufen konnte, aber ein jeder es sammelte, um die Tempel und Heiligenbilder damit zu verzieren und das Gold hatte ausschließlich seinen eigenen Wert; der sich in nichts als in Schönheit bemaß.